Vogel des Jahres

 

Die Kreisgruppe informiert regelmäßig über den Vogel des Jahres. Zwei Ausstellungen mit jeweils 5 großen Tafeln wandern durch die Rathäuser und die Schulen. Dazu erhalten die Schulen einen Bildervortrag von Prof. Leppelsack. In den Rathäusern erläutert Prof. Leppelsack jeweils vor der Ratssitzung die Mitglieder des Gemeinderates über die Biologie und das Vorkommen des Jahresvogels in den Gemeinden des Landkreises.  So werden in jedem Jahr etwa 130 Klassen und 12 Rathäuser im Landkreis informiert. Die Vögel der letzten Jahre sind im Folgenden zusammengestellt.


Waldkauz - Vogel des Jahres 2017

Ein runder Kopf und dunkle Augen, daran kann man den Waldkauz bei uns erkennen.
Foto: Markus Bosch
Ein runder Kopf und dunkle Augen, daran kann man den Waldkauz bei uns erkennen. 
Foto: Markus Bosch

Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017. Er ist unsere häufigste Eulenart. Im Landkreis Pfaffenhofen kommt er noch in vielen Wäldern vor. Umso mehr muss es uns beunruhigen, dass er wie viele andere Vogelarten in den letzten Jahren im Bestand zurückgeht. Wir alle kennen seinen Ruf aus nächtlichen Szenen in Filmen. Besonders wenn im nächtlichen Szenario Spannung erzeugt werden soll, wird sein schaurig klingender Revierruf häufig eingeblendet. Auch in unseren Wäldern ist er regelmäßig zu hören. Zur Balzzeit im Frühling, aber auch während der Herbstbalz ist sein Ruf über weite Distanzen vernehmbar. Ihn zu sehen, gelingt viel seltener. Als nachtaktiver Vogel lebt er bei Tageslicht sehr versteckt, nicht zuletzt deshalb weil viele Vögel in angreifen, wann immer sie ihn sehen. Nur selten kann man ihn am Tage beobachten, wie er in einer großen Baumhöhle sitzt und sich sonnt. Dann ist er leicht an seinem großen runden Kopf und seinen großen dunklen Augen zu erkennen. Sein Gefieder kann grau, rot oder braun gefärbt sein. Es ist marmoriert wie die Rinde alter Bäume und das macht es schwierig, den Vogel zu entdecken.

 

Der Waldkauz kommt in Laubwäldern vor und brütet in Höhlen alter Bäume. Nadelwälder meidet er. Seine Gelege bestehen aus 2 – 4 Eiern, ganz anders als bei anderen Eulenarten, die bis zu 10 Eier in einem Jahr legen. Die geringe Zahl der Eier zeigt uns an, dass er gut an seinem Lebensraum angepasst ist. Er erleidet auch dann  keine extremen Verluste, wenn in einem Jahr wenige Mäuse zu erbeuten sind oder eine dichte Schneedecke über längere Zeit die Jagd erschwert. Wie bei den meisten Eulen zu beobachten, verlassen die Jungen sehr früh das Nest, sie können dann noch nicht fliegen, werden noch wochenlang von ihren Eltern gefüttert und klettern durch die Bäume. Sie werden Ästlinge genannt. Selbst wenn sie einmal abstürzen, können sie leicht wieder zurück auf die Bäume gelangen. Das wird von Spaziergängern leider oft falsch verstanden. Sie wollen den Tieren dadurch helfen, dass sie sie mit nach Hause nehmen.

 

Dem Waldkauz ginge es sicherlich besser, wenn bei uns mehr alte Laubwälder mit Höhlenbäumen existierten. Zur Not können wir ihm auch große Nistkästen anbieten. Das Vergiften von Mäusen im Wald bedeutet für ihn eine große Gefahr und sollte unterbleiben.

 

 


Stieglitz - Vogel des Jahres 2016

Foto: NABU / P. Kühn
Foto: NABU / P. Kühn

Der Stieglitz ist der Vogel des Jahres 2016. Der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben ihn ausgewählt, um darauf aufmerksam zu machen, dass dieser hübsche Vogel in seinem Bestand deutlich zurückgeht. Dabei  stellt er eigentlich keine besonderen Ansprüche. Ein dichter Laubbaum, in dem er sein Nest baut, und Pflanzen und deren Samen, von denen er sich ernährt, mehr braucht er nicht, um in Frieden zu leben. Die Pflanzennahrung wird aber bei uns zunehmend knapp. Der Distelfink, das ist ein weiterer Name für den Stieglitz, findet keine Distelsamen mehr. Auch andere Samen, die bei uns früher auf vielen Brachflächen heranreiften, kommen nicht mehr so häufig vor wie früher. Dabei ist der Stieglitz besonders von frischen Samen abhängig, denn anders als andere Singvögel ernährt er seine Jungen rein vegetarisch und verfüttert keine Insekten. Für viele Naturbeobachter gilt er als der schönste unserer einheimischen Vögel. Deshalb war er früher als Käfigvogel sehr beliebt. Neben seinem bunten Federkleid hat er einen hübschen, nicht zu lauten Gesang. Das machte ihn als Zimmergenossen sehr beliebt. Da er kleine Kunststückchen lernt und zum Beispiel an einem Faden Futter und Wasser zu sich in den Käfig zieht, war er häufig in Gefangenschaft zu finden. Früher schätzte man auch seine Heilkraft. Hildegard von Bingen empfahl um 1150 einen gebratenen Stieglitz gegen Bauchschmerzen. Auch heute noch kann man in homöopathischen Globuli  zermörserte Stieglitze als Heilmittel zu sich nehmen. Die enge Beziehung zum Menschen besteht heute nicht mehr und so entgeht es den meisten, dass dieser nette Nachbar immer seltener wird. Der LBV gibt sich im Landkreis Pfaffenhofen viel Mühe, auf Randstreifen und angepachteten Flächen Kräuter wachsen zu lassen, die die Lebensgrundlage für diesen netten Zeitgenossen bilden.


Habicht - Vogel des Jahres 2015

Foto: Rosl Roessner
Foto: Rosl Roessner

Der Habicht ist der Vogel des Jahres 2015. Seine Wahl hat nicht überall Zustimmung gefunden. Bei einer Anzahl von Leuten hat er noch immer das Ansehen des Raubvogels , der bei uns die Fasanen und jungen Hasen erbeutet und deshalb ausgerottet werden muss. Diese Einstellung löst bei Prof. Dr. Hans Leppelsack, dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Pfaffenhofen des Landesbund für Vogelschutz (LBV) Unverständnis aus: „Die Forderung nach  einer Bekämpfung des Habichts zeigt an, dass die Verfechter dieser Einstellung die Zusammenhänge in unserer Natur nicht verstanden haben.“ Der Habicht hat die Rolle, aus einer großen Schar von Jungtieren diejenigen auszulesen, die nicht die fittesten für das Überleben sind. Rebhuhn und Fasan haben leicht 20 bis 25 Junge pro Jahr. „In einem gesunden Bestand, der in seiner Größe konstant ist, sind die jährlichen Verluste immer genauso hoch wie der jährliche Zuwachs“, bestätigt Prof. Leppelsack.  Deshalb verschwinden bei unseren Bodenbrütern in jedem Jahr 20 bis 25 Junge. Dabei ist es wichtig, dass eine Auslese stattfindet und nur die stärksten und gesündesten überleben. Diese Auslese wird insbesondere durch den Habicht getroffen. „Ein gesunder Bestand von Bodenbrütern kann sich ohne natürliche Auslese über längere Zeit nicht erhalten. Auch erfahrene Jäger können diese Rolle nicht übernehmen“ so der Biologe. Um diese Zusammenhänge darzustellen, haben der LBV in Bayern und der NABU im restlichen Bundesgebiet den Habicht zum Vogel des Jahres gewählt.

Der Habicht brütet versteckt in der Mitte unserer großen Wälder. Jedes Jahr zieht er 2 bis 3 Junge auf.  Er sitzt gern am Waldrand auf der Lauer und wartet geduldig auf seine Beute. Dabei macht er besonders gern Jagd auf die so häufig gewordenen Rabenkrähen. Viele Habichte leben inzwischen in unseren großen Städten. Dort sind sie vor Verfolgung sicherer als auf dem Land. Dazu muss man wissen, dass der Habicht ganzjährig geschützt ist. Seine Verfolgung wird als Verstoß gegen das deutsche und bayerische Naturschutzgesetz verfolgt. Umso erstaunlicher ist es, dass noch stets sogenannte Habichtskörbe verkauft werden, in denen die Tiere gefangen werden. 


Grünspecht - Vogel des Jahres 2014

Foto: Rosl Roessner
Foto: Rosl Roessner

Sein lauter lachender Ruf verrät die Anwesenheit des Grünspechts schon von weitem. Man hört ihn längst bevor man ihn gesehen hat. Anders als sein Vetter, der Buntspecht, kündet er seine Anwesenheit nicht durch Klopfen auf hohle Äste an. Auch seine Lebensweise ist etwas anders, als man sich das bei Spechten vorstellt. Er sucht seine Nahrung gerne am Boden und sammelt dort Ameisen, Regenwürmer und Schnecken ein. Auch Fallobst frisst er gelegentlich. Das Bohren in Baumstämmen, um Insekten aufzuspüren, überlässt er anderen Spechten. Beim Wohnungsbau zeigt er allerdings, dass er ein echter Specht ist. Die Höhle zimmert das Männchen, das Weibchen legt 6 bis 9 Eier hinein. Nach gut 2 Wochen sind die Eier von beiden Eltern ausgebrütet und nach weiteren 3 Wochen fliegen die Jungen aus. Sie werden dann noch weitere 4 bis 7 Wochen von ihren Eltern versorgt.

Bei seiner typischen Lebensweise benötigt der Grünspecht keinen dichten Wald. Vielmehr lebt er gerne am Ortsrand in Obstgärten, in Parks und in lockeren Mischwäldern. Um diese Lebensräume zu erhalten, hat der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) den  Grünspecht zum Vogel des Jahres erklärt. Insbesondere unsere Ortsränder haben während der letzten Jahrzehnte ihr typisches Gesicht verloren. In früheren Jahren fand man hier weitläufige Streuobstwiesen und Gärten. Dieser sanfte Übergang vom Ort in die offene Landschaft ist in unserer Zeit nahezu vollständig verschwunden. Wo früher Obstgärten standen, finden sich heute Gewerbegebiete, Supermärkte und Neubausiedlungen. Viele Tiere, die früher in der Nähe des Menschen lebten, haben dadurch ihre Heimat verloren. Dieses Schicksal droht auch dem Grünspecht. Daher sollten wir in der Nähe unserer Siedlungen Wert darauf legen, dass die Natur noch eine Chance hat, sich uns zu nähern. Der starke Flächenverbrauch in unserer Landschaft sollte ein Ende haben und an Wegrändern sollte wieder natürliches Grün wachsen können, damit wir auch weiterhin den Grünspecht lachen hören können.


Bekassine - Vogel des Jahres 2013

Rüdiger Becker
Rüdiger Becker

Die Bekassine ist ein Vogel unserer Feuchtgebiete. Sie möchte noch mehr feuchten Grund unter ihren Füßen haben als die typischen Vögel der feuchten Wiesen: Brachvogel, Kiebitz, Uferschnepfe und Rotschenkel. Nun haben diese Wiesenvögel schon deutliche Probleme mit ihrem schwindenden Lebensraum durch das Trockenlegen von Grünland. Umso mehr trifft es die Bekassine. Abgeschrägte Grabenränder mit ihrem typischen Bewuchs werden immer seltener. Das Wasser wird immer intensiver aus dem Grünland hinaus geleitet und so bleibt kaum noch Platz für diesen Schnepfenvögel.

Kartierungen ergeben, dass in den letzten 10 Jahren in Bayern der Lebensraum der Bekassine um etwa 40% abgenommen hat. Damit sieht ihre Zukunft bei uns nicht sehr positiv aus. Immerhin schätzt man ihren Bestand in Bayern auf etwa 600 Exemplare.

 

Die Bekassine im Landkreis Pfaffenhofen
Im Landkreis Pfaffenhofen gibt es zur Zeit keine Brutvorkommen mehr. Während der Zugzeit sind allerdings regelmäßig Bekassinen anzutreffen. In den feuchten Wiesenlandschaften im nördlichen Landkreis machen sie noch in jedem Jahr im Feilenmoos, im Irschinger Moos und bei Rockolding eine Rast. Diese Gebiete erscheinen auch als geeignet um diese Art bei uns wieder anzusiedeln. Es gibt Absprachen mit der unteren Naturschutzbehorde des Landratsamtes, um dieses Ziel zu erreichen.

Leider haben die Bekassinen nicht nur Probleme mit ihrem Lebensraum. Während des Zuges werden in jedem Jahr noch einige Zigtausend erschossen. Bei uns werden sie nicht gejagt. In unseren Nachbarländern, insbesondere in Frankreich, sind sie aber immer noch ein beliebtes Wildpret.

 Der LBV setzt sich dafür ein, dass die Regeln der EU dahin gehend geändert werden, dass in ihrem Bestand bedrohte Vögel nicht mehr gejagt werden dürfen.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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